Sozialrecht: Wenn die KI zum Anwalt wird…

Bayerns Sozialgerichte stehen unter erheblichem Druck, weil immer neue Verfahren hereinströmen und Richter wie Mitarbeitende an die Belastungsgrenze bringen. Dies berichtet das LSG Bayern in einer Pressemitteilung auf seiner Internetseite (PM 10-2026).

Schon 2025 ging es steil nach oben, 2026 hat sich der Trend noch verstärkt. Im ersten Halbjahr 2026 kamen bei den sieben bayerischen Sozialgerichten rund 26 % mehr Klagen an als im Vorjahreszeitraum. Besonders wild wurde es bei der Krankenversicherung (+35 %), beim Arbeitslosengeld (+47 %) und beim Bürgergeld (+60 %). Die Eilverfahren – also die Fälle, bei denen es besonders schnell gehen muss – haben sich mehr als verdoppelt. Auch in zweiter Instanz stiegen die Eingänge um fast 20 %. Hochgerechnet auf das Jahr: über 38.000 normale Verfahren plus 7.000 Eilsachen. Eine Trendwende? Auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

Jetzt kommt die Pointe: Offenbar nutzen viele Klägerinnen und Kläger KI-Tools, um ihre Anträge zu formulieren. Nur: Die KI kennt sich im Sozialrecht nicht wirklich gut aus und empfiehlt daher oft unsinnige Anträge – welche die Gerichte aber trotzdem alle abarbeiten müssen. Das blockiert die Bearbeitung der übrigen Fälle.

Fazit: ChatGPT & Co. können viele Fragen des Alltags beantworten. Fundierte juristische Fallbearbeitung kann und darf man aber insbesondere von kostenlosen Apps nicht erwarten. Auch renommierte Rechtsanwaltskanzleien lassen sich von speziellen, kostenpflichtigen Fachanwendungen unterstützen. Die persönliche juristische Expertise des Anwalts oder der Anwältin bleibt aber weiterhin unersetzlich.